• Vor gut drei Jahren startete ich meine Ausbildung als Fachmann Gesundheit im Altersheim. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit als überall in den Zeitungen stand wie viele junge angehende Erwachsene sich für den Pflegeberuf entschieden haben und es in den nächsten tun werden. Bis heute ist er bei Schulabgänger/-innen relativ beliebt. Dennoch liest man oft von Fachkräftemangel und warnt davor, dass die Spitäler die Last nicht mehr tragen können. Erst recht in einer Krise.

    SVP-Mann Thomas Matter sprach in der Arena vom 27. März darüber, dass das Grundproblem für den Personalmangel bei der strengen Ausbildung liege. Er warf die Frage in die Runde, weshalb es keine explizite Lehre für Krankenpfleger gäbe. Was Herr Matter nicht zu wissen scheint: Seit einigen Jahren bietet das Rote Kreuz mit dem Pflegehelferkurs einen kurzen und niederschwelligen Lehrgang an, welcher den Quereinstieg und später ausgezeichnete Weiterbildungen ermöglicht.

    Die Aussage zeugt davon wie wenig gewisse Politiker/-innen über die Situation im Gesundheits- und Pflegebereich informiert sind. Insbesondere über die Anforderungen unseres Berufes scheint er sich als Banker nicht im Klaren zu sein. Der menschliche Körper ist komplex und das Wissen über seinen Aufbau und Funktionen von zentraler Bedeutung. Der Anspruch an die eigene Psyche und der kontrollierte Umgang mit den eigenen Emotionen sind weitere Herausforderungen. Wir kommen im Alltag unserer Patienten unheimlich nahe. In der Ausbildung müssen wir uns darum anspruchsvollen, aber zugleich hochspannenden Lehrstoff aneignen. Nur so kann auch ein Thomas Matter am Schluss zufrieden sein mit der Pflege, wenn er aus seinem privatversicherten Einzelzimmer hinausmarschiert.

    Für mich sind die Aussagen und der lachhafte Applaus von Matter und anderen Bürgerlichen darum verletzend, weil ich weiss wie viele Pflegende jeden Tag immer wieder an ihre Grenzen gehen und auch sehr oft über diese hinauswachsen müssen. Hier liegt denn auch das Grundproblem, weshalb Menschen sich qualifizieren und danach die Hälfte den Beruf wieder verlässt. Es ist körperlich und psychisch nicht mehr tragbar, vor allem weil die Rufe nach besseren Arbeitsbedingungen von diesem Teil der Politik weiterhin ungehört bleiben.
    In dieser schwierigen Zeit, schliesslich auch dem Schlussspurt meiner Ausbildung, zähle ich darum auf die vielen klatschenden Menschen in diesem Land. Darauf, dass sie wissen, dass der Applaus und das Lob uns keine bessere Bezahlung schenkt, nicht mehr Ruhezeiten gewährt und uns nicht mehr Raum für die angemessene Pflege eines Patienten einräumt. Seit einiger Zeit organisiere ich mich mit anderen Menschen aus der Pflege und bin dankbar um Verbände, Gewerkschaften und Parteien, die sich auch ohne Coronakrise für unsere Anliegen oder die Pflegeinitiative starkmachen. Menschen, die uns zuhören und sich gemeinsam mit uns um mehr greifbare Anerkennung bemühen.

    Wir zählen aber auch auf Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger. Wenn sie selber auf die Pflege von uns angewiesen sind, Verwandte oder Bekannte haben, die kurzzeitig oder langfristig in einem Spital, einer Klinik oder einem Heim sind.

     

    Fabio Haller, Fachmann Gesundheit in Ausbildung, Wölflinswil

  • Wie jedes Jahr würdigen wir am 1. Mai die Arbeitnehmenden und machen gleichzeitig auf Missstände aufmerksam, verbunden mit der Forderung nach guten Arbeitsbedingungen und einer gerechten Entlohnung.

    Gerade während der aktuellen Pandemie werden verschiedene Probleme verstärkt sichtbar. All jene, die jetzt beklatscht und als systemrelevant bezeichnet werden, führen ihre Tätigkeit unter erschwerten Arbeitsbedingungen aus. Für Berufe im Service Public, in der Reinigung, in der Kinderbetreuung und im Gesundheitsbereich braucht es aber dringend Verbesserungen, auch im Aargau.

    In den stark belasteten Gesundheitsberufen zum Beispiel ist die Fluktuation hoch, und oft werden diese Berufe nach wenigen Jahren aufgegeben. Der Mangel an Personal ist auf verschiedenen Ebenen spürbar; die Belastung in den Spitälern und Pflegeheimen gross, nicht nur in dieser aussergewöhnlichen Situation. Der Kanton hat deshalb als Sofortmassnahme einen verkürzten SRK-Kurs zur Ausbildung als Pflegehilfe angeboten, unter anderem, um die Situation mit Temporäranstellungen zu entschärfen. Dies wird grundsätzlich begrüsst, löst aber den Personalmangel im Gesundheitsbereich bei weitem nicht. Die Attraktivität des Berufes muss dringend gesteigert werden. Nur mit schnellem Handeln kann man den Pflegenotstand stoppen. Vor allem in Pflegeberufen sind Frauen deutlich häufiger tätig als Männer. Gleichberechtigung heisst auch, dass systemrelevante Berufe besser entlohnt werden.

    Auch andere «systemrelevante» Branchen wie Detailhandel und Logistik leiden chronisch unter tiefen Löhnen. Gerechte, angemessene Löhne für alle sind der beste Schutz vor Armut – für Alleinstehende, für Familien, für Rentner/-innen – und entlasten die Sozialwerke.

    Für eine gerechte Zukunft. Mitbestimmen. Kämpfen. Gewinnen!, so lautet das Motto des 1. Mai 2020. Leider können wir dieses Jahr unsere Forderungen nicht auf die Strasse tragen. Wir freuen uns aber jetzt schon aufs nächste Jahr, denn der 1. Mai, mit seiner mehr als hundertjährigen Geschichte, wird mit Sicherheit auch eine einjährige Pause überstehen

     

    Für das 1. Mai-Komitee Fricktal 


    Colette Basler, SP Grossrätin, Zeihen

    Elisabeth Burgener Brogli, SP Grossrätin/Grossratsvizepräsidentin, Gipf-Oberfrick

    Werner Erni, SP Grossrat, Möhlin

    Claudia Rohrer, SP Grossrätin/Co-Fraktionspräsidentin, Rheinfelden

  • Die beiden Grossrätinnen Elisabeth Burgener Brogli und Colette Basler kandidieren im Oktober erneut für den Grossen Rat.

     

    Die Aargauer Zeitung porträtiert die beiden Amtsträgerinnen und berichtet über ihre Motivation für eine neuerliche Kandidatur, die Schwerpunktthemen und die Freude im Amt.

     

    Elisabeth Burgener Brogli machte am 29. Januar 2020 den Anfang.

    https://www.aargauerzeitung.ch/aargau/fricktal/die-kroenung-kommt-zum-schluss-auf-elisabeth-burgener-wartet-das-amt-der-grossratspraesidentin-136295565

    Der Artikel über Colette Basler erschien am 19. Februar 2020.

    https://www.aargauerzeitung.ch/aargau/fricktal/anpacken-ist-colette-baslers-ding-ob-im-elterlichen-betrieb-oder-in-der-politik-136338598